Fachkräfte: Warum Sachsen keine Held*innen sucht
Aufopferungsappelle? Nein, danke.
Held*innen gesucht!“ – „Wir brauchen dich!“: Slogans wie diese tauchen verlässlich auf, wenn Nachwuchskräfte für Sozial-, Gesundheits- und Pflegeberufe gesucht werden. Wir setzen gegen Aufopferungsappelle eine vorteilsorientierte Kampagne.
Warum ist der Beruf stark – für mich? Das ist die Frage!
Erstaunlich viele Branchen rücken im Recruiting nicht ihre Stärken in den Fokus, sondern ihren (Fachkräfte-)Bedarf. „Wir brauchen dich!“-Kampagnen senden indirekt die Negativbotschaft: „Komm und füll die Lücken, opfere dich auf!“ Sie wird weder den Berufen gerecht – noch jungen Menschen, die sich einen erfüllenden Beruf wünschen.
Key Facts
- Kampagnenstrategie
- Kreativkonzept
- Website
- Social-Media-Assets
- Kinospot
Es gibt sie doch, die starken Vorteile
Gesundheits- und Pflegeberufe, Sozialberufe, Heilberufe sowie Medizin-/Technikberufe fallen in Sachsen in die Zuständigkeit des Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der demografischen Entwicklung in Sachsen startete das Ministerium eine Recruiting-Kampagne. In der Berufe-Vielfalt entdeckten wir vorurteilsbelastete Jobs (Stichwort Pflege) genauso wie Berufe, von denen viele junge Menschen vermutlich noch nie gehört haben (Beispiel: Orthoptist) oder unter denen sie sich wenig vorstellen können (Was macht eigentlich ein*e Hygienekontrolleur*in?).
Gefragt war also eine Kommunikation, die (wo nötig) Vorurteile abbaut und Bekanntheit und Anziehungskraft aufbaut. In unserem Konzept setzten wir nicht auf allgemeine Appelle, sondern auf gründliche Recherche und maßgeschneiderte Vorteilsbotschaften.
Statt Applaus: echter Anspruch
Nein, Heldentum und hohler Applaus waren und sind nicht die Motivationstreiber für Nachwuchskräfte, egal in welcher Branche. Klar: Die Sozial-, Gesundheits- und Pflegebranche brauchen Verstärkung. Aber das kann nicht unsere Botschaft sein. Denn wer sich aus rein altruistischen Gründen für Sinn-Berufe entscheidet, brennt zwar für die Sache – aber brennt eben auch leicht aus. Die wenigsten jungen Menschen wollen im Job Übermenschliches vollbringen, sich aufopfern. Und das ist gut so. Der Beruf, für den sie sich entscheiden, muss zu ihnen passen – zu ihren Fähigkeiten, Vorstellungen und berechtigten Erwartungen – und ihnen etwas bieten, ein (Berufs-)Leben lang.
Der Beruf muss sich mit all seinen Vorzügen präsentieren, bewerben und sein Gegenüber gewinnen. Unser Ansatz im Recruiting: Wir justieren den Blickwinkel neu, gleichen die konkreten Ansprüche der Zielgruppe mit dem ab, was die Berufe bieten können – und richten darauf den kommunikativen Fokus: emotional und involvierend, wertschätzend und kompetitiv.
Analysieren: Was wünscht sich die Gen Z in Sachsen?
Wir ergründeten die Zielgruppe und ihre Motivation: 58 % wünschen sich Sinn im Job. 50 % fühlen sich ihrer Region (stark) verbunden. Immer mehr suchen ihre Zukunft im ländlichen Raum – mit geringen Kosten und mehr Lebensqualität. Wir identifizierten Sinn&mehr-Suchende, Heimatverbundene und Stadtflüchtende als Kernzielgruppen.
Synchronisieren: Was bieten die Berufe?
Analysierten wir die Berufe-Vielfalt, vom Pflegefachmann bis zur Technikerin im Eichvollzug, und fanden starke gemeinsame Vorzüge: Alle Berufe eröffnen breiten Spielraum und zugleich eine sichere Zukunft. Sie machen Sinn. Und stolz. Und stark: die jungen Menschen, die sie erlernen genauso wie uns als Einzelne und als Gesellschaft. Und es gibt überall Jobs: in den Städten und im ländlichen Raum. Direkt vor meiner Haustür oder in meiner Wunschregion.
Match!
Die Zukunftswünsche der Gen Z in Sachsen matchen überraschend gut mit den Vorteilen der ausgewählten Berufe. Damit können wir arbeiten!
Starke Sache, fand auch das Sozialministerium und hob den Daumen zu unserem Kampagnenkonzept„Wir machen die stärksten Sach(s)en“.
Aus der Mauerblümchen-Ecke ins Dating-Portal
Ihren ersten großen Auftritt haben die stärksten Sach(s)en in einem „Dating-Portal“ – eingebettet in den Web-Auftritt der Sächsischen Staatsregierung. Hier stellen sich die Berufe vor: mit Prince-Charming-Faktor „(Ich setze jeden Tag ’ne Krone auf“), Flirt-Offensive („Ich finde raus, was in dir steckt. Wenn du ein Tiefkühl-Törtchen bist“) und ausgewogenen inneren Werten („Sternzeichen: Waage, Lieblingstier: Kalibri“).
Beim Klick aufs Herzchen öffnet sich eine Unterseite mit der jeweiligen Berufe-Story. Auch hier gibt’s ein klares Match: SEO-gerechte Headlines kommen zusammen mit anschaulichen, zielgruppenfreundlichen Infotexten. Links führen zu Angeboten der jeweiligen Stakeholder (wie zum Beispiel Ausbildungsstätten, Hochschulen, Kammern) oder direkt zur sächsischen Stellenbörse bzw. Schuldatenbank.
Den Launch des Dating-Portals begleiteten wir online, mit Social-Media-Aktivitäten – und einem Kinospot. In diesem Film „datet“ eine Jugendliche verschiedene Berufe: Ein Fingertipp auf das Herzchen und sie findet sich im passenden Outfit in der jeweiligen Berufewelt. Eine dynamische Einladung, die vielfältige Welt der „stärksten Sach(s)en“ zu erkunden.
Uns war klar: Wir suchen keine Held*innen. Kleine Anekdote ...
Vor vielen Jahren durften wir unsere erste Kampagne entwickeln, um Altenpflegekräfte auszuzeichnen. Eine unserer Slogan-Ideen: „Wir sind doch keine Helden! Aber wir machen einen guten Job“. Doch der Ansatz fiel im Test bei Fachkräften komplett durch. Sie reagierten einhellig: „Wir sind doch keine Helden!“– „Das haben wir genau so hingeschrieben“, bekräftigten wir. Aber umsonst, von Heldengedöns wollen Pflegeprofis nichts wissen, das haben wir uns hinter die Ohren geschrieben.
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