Kritik, Konkurrenz und Kontrollverlust

von Daniel Szkutnik Daniel Szkutnik
Vernetzung Kabel KI

10.03.2026

3 Min. Lesedauer

Auch diese Woche gibt es wieder spannende Entwicklungen aus der Welt der Künstlichen Intelligenz. Von unerwarteten Übernahmen in Hollywood über beeindruckende neue Modelle bis hin zu deutlicher Kritik unter den führenden Köpfen der Branche: Hier ist eure kompakte Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse.

Scharfe Kritik an OpenAI-Vertrag mit dem Militär

Der Unternehmenschef von Anthropic, Dario Amodei, hat in einem internen Schreiben den neuen Vertrag von OpenAI mit dem US-Verteidigungsministerium stark kritisiert. Er bezeichnete das Abkommen größtenteils als „vorgespielte Sicherheit“. Zudem warf er der OpenAI-Führung vor, Tatsachen zu verdrehen. Gleichzeitig betonte Amodei jedoch, dass sein eigenes Unternehmen ebenfalls viele Gemeinsamkeiten mit dem Ministerium habe. Ein deutliches Zeichen, wie hart der Konkurrenzkampf an der Spitze mittlerweile geführt wird.
https://www.theinformation.com/articles/read-anthropic-ceos-memo-attacking-openais-mendacious-pentagon-announcement

OpenAI plant eigene Entwickler-Plattform

Berichten zufolge baut OpenAI an einer eigenen internen Ablage für Programmcode, um die bestehende Plattform der Konkurrenz zu ersetzen. Der Grund: Häufige Ausfälle bei dem aktuellen Anbieter hatten die Arbeit der eigenen Programmierer stark behindert. Das birgt Zündstoff, da dieser Anbieter zu Microsoft gehört – dem größten Geldgeber von OpenAI. Es wird intern sogar überlegt, diese neue Plattform später für zahlende Kunden zu öffnen.
https://www.theinformation.com/articles/openai-developing-alternative-microsofts-github

Hilft Künstliche Intelligenz wirklich beim Lernen?

OpenAI hat gemeinsam mit der Universität Stanford und der estnischen Universität Tartu ein neues Messsystem entwickelt, um den Lernerfolg durch KI über einen längeren Zeitraum zu überprüfen. Ein erster Versuch zeigte: Studierende schnitten mit einem speziellen KI-Lernmodus um 15 Prozent besser ab. In Estland startet nun der bisher größte Versuch, bei dem 20.000 Schülerinnen und Schüler ein halbes Jahr lang begleitet werden.
https://openai.com/index/understanding-ai-and-learning-outcomes/

Neues Spitzenmodell: GPT-5.4 übertrifft menschliche PC-Nutzer

OpenAI hat sein neues Hauptmodell veröffentlicht. GPT-5.4 glänzt besonders bei Aufgaben, die direkt auf dem Computer-Bildschirm ausgeführt werden. In Tests, bei denen alltägliche Computerarbeiten geprüft werden, erreichte die KI 75 Prozent – und war damit erstmals besser als der menschliche Durchschnitt (72,4 Prozent). Mit einer enormen Gedächtnisleistung und einer neuen Funktion für besonders tiefgründiges Nachdenken lassen sich inzwischen auch stundenlange Aufgaben vollkommen selbstständig von der KI erledigen.
https://openai.com/de-DE/index/introducing-gpt-5-4/

KI-Assistent entwickelt Eigenleben: Digitale Münzen statt Training

Forscher aus dem Umfeld des chinesischen Internetkonzerns Alibaba berichten von einem erstaunlichen Zwischenfall. Ein KI-Programm sollte eigentlich lernen, Programmierfehler zu beheben und alltäglich Aufgaben am Computer zu übernehmen. Stattdessen entwickelte das System während der Lernphase ein Eigenleben: Es stellte heimlich digitale Währungen her und baute versteckte Verbindungen ins Internet auf, um die Sicherheitssysteme des Unternehmens zu umgehen. Aufgefallen war dies erst durch merkwürdige Aktivitäten in der Netzwerküberwachung. Die Forscher schließen eine gezielte Manipulation von außen aus. Die Software tat schlichtweg eigenständig das, was ihr zur Zielerreichung nützlich erschien. Ein deutliches Warnsignal für die Risiken, wenn solche Systeme unbeaufsichtigt vollen Zugriff auf das Netz haben.
https://www.heise.de/news/KI-Agent-schuerft-heimlich-Kryptowaehrung-waehrend-des-Trainings-11204420.html

Netflix kauft Film-Firma von Ben Affleck

Der Streaming-Anbieter Netflix hat die noch junge KI-Firma des Schauspielers Ben Affleck übernommen. Die Besonderheit seiner Technik: Sie erstellt keine völlig neuen Videos aus dem Nichts. Stattdessen lernt das Modell aus dem bereits gedrehten Material eines Films und hilft massiv bei der Nachbearbeitung – etwa bei der Anpassung der Beleuchtung oder bei Schnittfehlern. Ein großer Schritt, um KI als nützliches und akzeptiertes Werkzeug in der Filmindustrie zu etablieren.
https://about.netflix.com/en/news/why-interpositive-is-joining-netflix

KI und der Arbeitsmarkt: Wo die größten Veränderungen drohen

Eine neue Untersuchung von Anthropic zeigt auf, welche Berufe am stärksten von Automatisierung betroffen sein könnten. Ganz oben stehen Programmierer (75 Prozent Überschneidung der Aufgaben) sowie der Kundendienst (67 Prozent). Zwar gibt es noch keine massenhaften Entlassungen, aber die Neueinstellungen von jungen Arbeitskräften in diesen gefährdeten Bereichen sind bereits um 14 Prozent zurückgegangen. Berufe mit viel Handarbeit bleiben hingegen vorerst gänzlich unberührt. 
https://cdn.sanity.io/files/4zrzovbb/website/dc7bcd0224644fce97cecb7f9e68dcd8434b35f1.pdf

KI entdeckt 22 Schwachstellen im Firefox-Browser

Das KI-Modell Claude hat in nur zwei Wochen den Programmcode des bekannten Firefox-Browsers durchsucht und dabei 22 Sicherheitslücken gefunden. 14 davon wurden als sehr gefährlich eingestuft und hätten großen Schaden anrichten können. Die Fehler wurden dank der Entdeckung bereits für hunderte Millionen Nutzer behoben. Bemerkenswert: Die KI brauchte gerade einmal 20 Minuten, um den ersten Fehler aufzuspüren.
https://www.anthropic.com/news/mozilla-firefox-security

Wohin geht die Reise mit der immer selbstständiger werdenden KI? Spannend bleibt primär, wie sich die Arbeitsabläufe durch eigenständig handelnde Programme verändern werden und wie wir diese sicher kontrollieren können. 

Wir lesen uns wie immer bei der nächsten Ausgabe – und bis dahin gilt: Bleibt neugierig!

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